Gebrauchtes E-Bike kaufen: Das sollte man unbedingt beim Kauf beachten

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Von Jahr zu Jahr wächst der E-Bike-Markt in Deutschland bisher unaufhaltsam weiter. Wer aber kein Pedelec aus dem Baumarkt kaufen möchte, muss in Deutschland im Schnitt für ein Marken-Elektrofahrrad rund 3.000 Euro investieren. Wer das E-Bike aber eher ab und an fährt und nicht täglich unzählige Kilometer damit bewältigen möchte, dem könnten 3.000,- Euro schlichtweg zu viel sein. Also warum nicht ein gebrauchtes Marken-E-Bike zum deutlich günstigeren Preis kaufen? Prinzipiell spricht nichts dagegen, ein gebrauchtes Elektrofahrrad zu kaufen. Wichtig ist dabei nur, dass man vor dem Kauf unbedingt ein paar Punkte beachten sollte.

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Wo kann man ein gebrauchtes E-Bike kaufen?

Manche werden jetzt beim gebrauchten E-Bike an ihren Fahrradhändler des Vertrauens denken. Leider wird man dort in der Regel aber nicht fündig werden, denn die meisten Händler scheuen im Moment noch die Gewährleistung für die teuren Elektromotoren und den Akku. Da diese Gewährleistung mindestens 1 Jahr bzw., wenn vertraglich nichts festgelegt ist, sogar 2 Jahre beträgt, ist das für viele Händler ein unkalkulierbares Risiko. Deshalb bleibt einem im Augenblick meist nur der rein private Kauf eines E-Bikes, was in der Regel nach dem Prinzip abläuft: Gekauft wie gesehen bzw. kurz ausprobiert.

Immerhin gibt es inzwischen mit der Plattform www.bikesale.de eine brauchbare Webseite, um sich über den Markt für gebrauchte E-Bikes und Pedelecs einen guten Überblick zu verschaffen. Der Vorteil bei dieser Seite im Vergleich zu ebay und Co. ist, dass man hier speziell für den Fahrradkauf optimierte Filter vorfindet. Damit ist dann eine sehr präzise Suche möglich. Zudem bietet die Plattform auch eine kostenfreie Wertermittlung des Elektrofahrrads an.

Gebrauchtes Elektrofahrrad bei Bikesale.de kaufen

Was darf ein gebrauchtes E-Bike noch kosten?

Wenn der ursprüngliche Verkaufspreis und nicht die UVP des Herstellers eines E-Bikes oder Pedelecs bekannt sind, kann man den Wert mit einer groben Formel ermitteln.

Ab der Sekunde des Kaufes verliert ein Elektrofahrrad rund 20 Prozent an Wert. Nach zwei Jahren ist es dann noch rund die Hälfte des Neupreises wert. Und theoretisch halbiert sich der Wert danach alle 4 Jahre. Theoretisch deshalb, weil diese Regeln eigentlich mal für normale Fahrräder entwickelt wurden. Bei E-Bikes kommen aber mit dem Motor und dem Akku zwei Faktoren hinzu, die preislich extrem ins Geld gehen können, wenn es bei diesen beiden Komponenten zu einem Defekt kommt. Wie zuvor schon erwähnt, ist das der Hauptgrund dafür, warum Händler gebrauchte E-Bikes noch sehr selten verkaufen.

Motor und Akku sind das eigentliche Kostenrisiko

Wenn man ein Marken-E-Bike gebraucht kauft, muss man sich in der Regel keine größeren Sorgen um Rahmen, Bremsen und Stoßdämpfer machen, zumindest solange das Rad nicht zig tausende von Kilometern runter hat oder gar in einen Unfall verwickelt war. Aber der Motor und der Akku sind da schon etwas empfindlicher. Gerade neue Marken-Akkus zum Beispiel von Bosch kosten in der Regel so zwischen 500,- und 900,- Euro. Und selbst wenn der Vorbesitzer sagt, er hätte den Akku immer gut gepflegt, am Ende weiß man es halt nicht.

Nur einmal im Winter falsch geladen oder gelagert und der Akku kann enorm an Leistung eingebüßt haben. Oder der Akku ist vielleicht sogar mal runtergefallen und hat dadurch einen minimalen Defekt bekommen, der bisher noch keine Auswirkung gezeigt hat. Zugegeben, nicht jeder Verkäufer eines E-Bikes ist ein schwarzes Schaf, aber die Kosten für einen neuen Akku sind halt auch nicht unerheblich.

Wenn der Verkäufer keinen aktuellen Nachweis eines Händlers vorlegen kann, der die aktuelle Akkukapazität exakt wiedergibt, dann sollte man in unseren Augen, sobald das angebotene E-Bike älter als ein paar Monate ist, den Neupreis für einen Akku mindestens zur Hälfte von dem eigentlichen Kaufpreis zusätzlich abziehen.

Ältere und häufig genutzte Akkus verlieren an Leistung

Auch gilt es vorsichtig zu sein, wenn das E-Bike älter als ein Jahr ist. In solch einem Fall gilt es unbedingt zu berücksichtigen, dass Akkus nicht ewig leben und in der Regel nach 500-600 Ladezyklen anfangen, ihre Kapazität schrittweise zu verlieren. Wurde das Rad zum Beispiel fast täglich für die Fahrt zur Arbeit genutzt, kommen da – über 2-3 Jahre gerechnet – schnell einige hundert Ladezyklen zusammen. In solch einem Fall würden wir den aktuellen Akku-Kaufpreis komplett vom Preis des Rades abziehen.

Beim Elektromotor bewegt man sich je nach Hersteller im oberen 3-stelligen bzw. im niedrigen 4-stelligen Preisbereich. Keine Ausgabe, die man unmittelbar nach Kauf eines gebrauchten E-Bikes gerne haben möchte. Allerdings kann man sich beim Motor lediglich auf sein Gehör und dem Gefühl bei der Probefahrt verlassen. Marken-Motoren wie zum Beispiel von Bosch, Brose oder Shimano sind aber recht zuverlässig. Sprich: wenn sie nicht ab Werk eine Macke oder bei einem Unfall einen Defekt erlitten haben, dann laufen sie in der Regel viele Jahre ohne Probleme.

Sollte aber der Motor schon im Leerlauf ohne Unterstützung oder im Betrieb mit Unterstützung komische/laute Geräusche machen, das Motorengehäuse deutliche optische Schäden haben oder die Ansteuerung mittels des Steuerungssystems am Lenker nicht reibungslos funktionieren, dann lieber Hände weg von diesem gebrauchten E-Bike.

Auch eine wackelnde Motoreinheit ist ein Indiz dafür, dass hier was nicht stimmt. Im besten Fall haben sich die Schrauben nur durch Vibrationen selbst gelöst und man kann sie einfach wieder vorsichtig festziehen. Im ungünstigsten Fall passt die Aufhängung am Rahmen nicht richtig zu den Motorbefestigungen. Was auch immer der Grund dafür ist, nur selten lässt sich so ein Problem günstig beheben.

Hier eine Beispielrechnung:

Ursprünglicher Kaufpreis des Marken-E-Bikes des Verkäufers 3.500,- Euro
Alter des Marken-E-Bikes bis zu einem Jahr minus 20 Prozent 700,- Euro
Risikopauschale für Marken-Akku ohne Kapazitätsbeleg 300,- Euro
Gesamtpreis für das gebrauchte Bike 2.500,- Euro

Der Preis ist natürlich auch davon abhängig, wie der Zustand der restlichen Komponente am Rad ist. Sprich: sind der Rahmen, die Bremsen, die Schaltung und die Federung ebenfalls in einem tadellosen Zustand? Und natürlich sollte man ein gebrauchtes E-Bike unbedingt nur bei Tageslicht begutachten. Nur bei Tageslicht kann man kleinste Defekte aufspüren, die bei einem solchen Rad unter Umständen sehr teuer werden können.

Und wegen des Preises sollte man auch immer unbedingt eine ausgiebige Probefahrt (20-30 Minuten) machen. Am besten fährt der Verkäufer bei der Probefahrt mit, damit es nach der Probefahrt nicht zu Unstimmigkeiten kommt, was schon an Problemen da war und welche angeblich erst seit der Probefahrt existieren.

Kann man dem Kilometerstand eines E-Bikes trauen?

Bei den meisten Marken-Systemen lässt sich bis jetzt der Gesamtkilometerzähler nicht manipulieren. Aber klar, was nicht ist, kann natürlich wie beim Auto auch jederzeit noch beim E-Bike kommen. Deshalb immer etwas genauer hinschauen, wenn ein Elektrofahrrad mit extrem wenig gefahrenen Kilometern angeboten wird. Hier kann mitunter ein Blick auf die Reifen oder die Bremsbelege sehr hilfreich sein. Wurden nur wenige Kilometer mit dem E-Bike zurückgelegt, dann müssten die Reifen und Bremsbelege auch kaum abgenutzt sein.

Es gibt auch gestohlene E-Bikes, die angeboten werden

Natürlich werden auf allen Plattformen dieser Welt auch immer mal wieder gestohlene E-Bikes zum Schnäppchenpreis angeboten. Deshalb sollte man immer mindestens auf eine Kopie der originalen Rechnung bestehen. Auch sollte man stutzig werden, wenn der Preis deutlich unter dem üblichen Marktpreis liegt oder wenn wichtige Bestandteile eines E-Bikes wie zum Beispiel der Akku oder die Steuereinheit fehlen. Besonders dann, wenn das Bike erst wenige Wochen oder Monate alt ist, muss der Original-Akku eigentlich immer vorhanden sein.

Checkliste für den Kauf eines gebrauchten E-Bikes oder Pedelecs

Fragen an den Verkäufer

  • Warum möchte der Verkäufer das E-Bike verkaufen? (eine kurze Besitzzeit könnte auf Probleme mit dem Rad hindeuten)
  • Gibt es ein Checkheft für das Bike bzw. ein Handbuch vom Hersteller mit den ganzen Seriennummern der wichtigsten Bauteile wie Rahmen, Motor, Akku?
  • Wo wurde das E-Bike im Winter gelagert? (stand es im Winter nicht in einem geschlossenem Raum, sondern im Freien nur unter einer Abdeckplane, könnten der Akku und die Elektronik darunter gelitten haben)
  • Ist das Elektrorad unfall- und sturzfrei? (neben dem optischen Aspekt besteht nach einem Sturz natürlich immer die Möglichkeit, dass es später zu teuren Defekten kommen kann oder im Falle eines Rahmenbruchs auch erhebliche Verletzungen möglich sind)
  • Immer sich die Original-Rechnung zeigen und eine Kopie der Rechnung geben lassen oder halt ein Foto mit dem Smartphone erstellen
  • Bei einem S-Pedelec muss immer eine allgemeine Betriebserlaubnis des Bike-Herstellers vorhanden sein
  • Ist das originale Ladegerät des Herstellers vorhanden? Wenn das nicht der Fall ist, könnte der Akku über einen unbestimmten Zeitraum mit einer falschen Spannung geladen worden sein, was wiederum den Akku beschädigt haben könnte
  • Ist auf dem E-Bike die aktuellste Software-Version installiert? – nach dem Fischer-Software-Debakel beim 1607 und dem 1609 eine nicht unerhebliche Frage, wenn der Verkäufer keine Ahnung davon hat, unbedingt mal vor dem Kauf googeln, ob es bei dem Bike ein bekanntes Software-Problem gibt

Begutachtung des E-Bikes oder Pedelecs vor der Probefahrt

  • Das Bike ist nicht geputzt worden und ist ziemlich verdreckt, so was erschwert die Kontrolle und sollte deshalb vor dem Termin mit dem Verkäufer abklärt werden
  • Rahmen (auch die Rohrunterseiten) auf Defekte untersuchen (Kratzer oder Risse im Lack können von einem Sturz herrühren)
  • Das Rad im Allgemeinen auf Roststellen untersuchen
  • Wenn eine Lichtanlage vorhanden ist, diese auch ausprobieren im besonderen dann, wenn die Lichtanlage über den E-Bike-Akku läuft und über das Display gesteuert wird
  • Bei Felgenbremsen die Belege prüfen, ob noch genug Bremsmaterial vorhanden ist, und bei Scheibenbremsen die Scheibendicke messen (die Scheibendicke einschließlich Trägermaterial sollte nicht weniger als 1,5 mm betragen)
  • Das Reifenprofil und die Beschaffenheit der Reifen überprüfen
  • Hat der Akku offensichtliche Mängel wie starke Kratzer, Risse oder Dellen am Gehäuse, dann lieber die Finger von diesem E-Bike lassen oder den Kauf eines neuen Akkus preislich berücksichtigen und den Kaufpreis drücken
  • Hat der Lenker Spiel also wackelt er, obwohl die Schrauben alle angezogen sind, dann Finger weg!
  • Sitzt der Elektromotor fest in seiner Halterung? Wenn nein, die Schrauben vorsichtig nachziehen. Wenn das nichts bringt oder nicht möglich ist, Finger weg von diesem E-Bike!
  • Das Display der Antriebssteuerung auf eventuell vorhandene Anzeigefehler hin überprüfen und alle Schalter / Funktionen unbedingt ausprobieren

Fahrverhalten des Elektrofahrrads bei der Probefahrt

  • Während der Fahrt auf einem glatten Untergrund, wie zum Beispiel Asphalt, dürfen keine Vibrationen zu spüren sein, wenn doch, die Ursache vor dem Kauf herausbekommen
  • Wenn der Elektromotor neben dem normalen leisen Surren komische Geräusche macht, besonders bei Knackgeräuschen, Finger weg vom Bike
  • Auch Finger weg vom Bike, wenn der Motor Aussetzer bei der Unterstützung hat oder bei einer bestimmten Unterstützungsstufe gar nicht funktioniert
  • Bei einer 15-minütigen Probefahrt im ebenen Gelände darf der Motor trotz 100%-Unterstützung nicht heiß sein, wenn doch, dann Finger weg vom Rad
  • Läuft das Rad nicht sauber in der Spur und zieht es immer in eine Richtung, dann eher Finger weg
  • Wenn sich das Rad aus voller Fahrt trotz angezogener Bremse nur sehr langsam zum Stehen bringen lässt, unbedingt vor dem Kauf die Bremsanlage nochmals ganz genau überprüfen
  • Wenn sich während der Fahrt die Gänge der Schaltung schlecht oder gar nicht wechseln lassen, dann bei einer Kettenschaltung eventuell die Einstellung der Schaltung überprüfen, bei einer Nabenschaltung vom Kauf dieses Bikes lieber absehen
  • Wenn die Bremsen während der Fahrt schleifen, dann kann man schauen, ob es nur eine Einstellungssache ist, verschwindet das Schleifgeräusch trotz optimaler Einstellung nicht, dann Finger weg

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Fazit

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Wer beim Kauf eines gebrauchten E-Bikes oder Pedelecs möglichst alle Punkte unserer Checkliste beachtet, dürfte keine größere Enttäuschung erleben. Man sollte sich auf keinen Fall bequatschen lassen, à la „Das Knacken am Motor ist normal oder geht nach ein paar Minuten Fahrtzeit von ganz alleine weg“. Entweder das Rad und seine Technik funktionieren ohne Wenn und Aber oder man lässt lieber die Finger von dem angebotenen E-Bike. Über Plattformen wie bikesale.de oder ebay sollte man immer nur E-Bikes kaufen die man auch ausgiebig Probe gefahren ist, egal wie verlockend das Schnäppchen-Angebot auch sein mag.

Wie beim Autokauf macht es auch beim E-Bike-Kauf sehr viel Sinn, einen schriftlichen Kaufvertrag abzuschließen. Damit kann man genau den Zustand des E-Bikes und eventuell festgestellte Mängel festhalten. Spätere böse Überraschungen kann man auf die Weise für den Käufer, aber auch für den Verkäufer zumindest reduzieren. Der ADFC stellt auf seiner Internetseite einen kostenlosen Musterkaufvertrag zur Verfügung.

Gar kein Risiko eingehen und trotzdem ein Marken-Elektrofahrrad mit Rabatt kaufen? Das ist auch möglich, wenn man sich nach E-Bike-Vorjahresmodellen umschaut. Solche E-Bike-Modelle sind dann schon mal mit bis zu 30 Prozent Preisnachlass zu bekommen und damit preislich auf jeden Fall im Bereich eines gebrauchten Bikes unterwegs, das in etwa 1 Jahr alt ist. Entscheidet man sich für so ein Vorjahresmodell, erhält man dann natürlich auch die volle Garantie und Gewährleistung. Wer also nicht unbedingt die aktuellste Saison-Ware benötigt, kann mit einem Marken-Pedelec aus dem Vorjahr ganz ohne Garantie-Risiko ebenfalls eine Menge Geld sparen.

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